Ziele setzen ist ein wichtiger Grundpfeiler des Selbstmanagements. Dabei lässt sich durchaus darüber streiten, ob es wirklich so wichtig ist, einen Endpunkt zu definieren oder ob nicht vielmehr der Weg das Ziel ist und man sich möglicherweise lieber auf tägliche Gewohnheiten konzentrieren sollte. (Mehr dazu hier)
Aber nehmen wir mal an, du hättest ein oder mehrere Ziele (oder Meilensteine), die du unbedingt erreichen möchtest. Das kann ein riesiges Lebensziel oder ein kleines Projektziel sein. Von der letzteren Sorte hat man als Multipotentialistin ja üblicherweise eine ganze Menge und es kann schwierig sein, über all die kleinen Ziele den Überblick zu behalten. Daher möchte ich in diesem Beitrag mal darüber nachdenken, wie und wie oft man seine Ziele reflektieren und hinterfragen sollte.
Beim Reflektieren von Zielen geht es nicht nur darum, sich zu fragen, OB man ein Ziel noch erreichen will oder nicht. Es kann auch ein guter Weg sein, um seine Ziele, Träume und Visionen zu präzisieren und genauer herauszufinden, was man wirklich möchte. So kann man eine Kurskorrektur vornehmen und sich im Anschluss auf das wirklich Wesentliche konzentrieren. Lass uns also zunächst einmal darüber sprechen, wie man seine Ziele reflektieren sollte, um danach die Frage zu beantworten, wie oft man seine Ziele reflektieren sollte.
Die magische Formel
Die magische Formel zum Reflektieren von Zielen ist ebenso einfach wie genial. Sie lautet: Will ich das noch? Diese Frage stellst du dir 4x mit jeweils einem anderen Schwerpunkt:
1) WILL ich das noch?
Zunächst einmal solltest du schauen, ob du auf dein Ziel überhaupt Bock hast. WILLST du dieses Ziel erreichen oder denkst du vielleicht, du SOLLTEST oder MÜSSTEST dieses Ziel erreichen. Entspricht es deinen Werten? Möchtest du die Person werden, die dieses Ziel erreicht hat? Möchtest du auch die Nachteile in Kauf nehmen? Möchtest du die Arbeit leisten, die erforderlich ist?
Was ich damit meine ist folgendes: Wenn du dir – wie ich – vorgenommen hast, Gitarre spielen zu lernen, dann solltest du dir im Klaren darüber sein, dass du dafür jeden Tag üben musst. Wenn es aber nicht deinen Werten entspricht, Disziplin an den Tag zu legen, dann wird das ein schwieriges Unterfangen. Wenn du dich nicht als Person siehst, die jeden Tag Gitarre übt, wenn es dir zu anstrengend, zu aufwändig, zu lästig ist und du die tägliche Arbeit nicht in Kauf nehmen willst. Dann ist dir das Ziel vielleicht nicht wichtig genug und du WILLST es gar nicht wirklich.
2) Will ICH das noch?
Dann solltest du klären, ob dieses Ziel überhaupt ein Ziel von DIR ist, oder ob du es vielleicht nur erreichen möchtest, weil dir jemand anderes die Idee in den Kopf gesetzt hat, z. B. deine Familie, deine Freunde, das Fernsehen, die Werbeindustrie, die Gesellschaft als solches. Denn es könnte sein, dass es DIR vielleicht gar nicht so wichtig ist, dieses Ziel zu erreichen und das könnte ein guter Grund sein, es aufzugeben.
Vielleicht ist es dir völlig egal, ob du Gitarre spielen kannst oder nicht, aber aus Filmen hast du gelernt, dass Gitarristinnen es bei der Partnerwahl leichter haben. Sprich, du möchtest mit dem Gitarrenspiel lediglich deinen Schwarm oder allgemein dein bevorzugtes Geschlecht beeindrucken. Dann ist das Ziel vielleicht eigentlich ein ganz anderes und du könntest auch andere Wege finden, um es zu erreichen.
3) Will ich DAS noch?
Als nächstes solltest du dich fragen, ob du inhaltlich mit dem Ziel übereinstimmst. Wenn man sich so ein Ziel setzt, hat man ja meist eine ziemliche Idealvorstellung im Kopf und erst, wenn man begonnen hat, sich dem Ziel zu nähern, erkennt man, was da eigentlich alles dazu gehört.
Das könnte zum Beispiel so aussehen: Nachdem du die ersten Stunden Gitarrenunterricht genommen hast, stellst du fest, dass man Hornhaut auf den Fingern entwickelt und das ist ja wohl voll eklig! Außerdem ist es deutlich schwieriger als du dachtest und nachdem du dir “Die fabelhafte Welt der Amelie” noch mal reingezogen hast, willst du jetzt sowohl viel lieber Akkordeon spielen. Also weg mit der ollen Klampfe!
4) Will ich das NOCH?
Schließlich nagt auch der Zahn der Zeit an unseren Zielsetzungen. Unsere Vorlieben und Geschmäcker ändern sich hin und wieder. Was du als Achtjährige mochtest (ein Pony), magst du jetzt vielleicht nicht mehr so sehr. Manchmal ändern sich sogar unsere grundlegenden Werte. Vielleicht haben sich auch deine Lebensumstände so sehr verändert, dass du dieses Ziel gar nicht mehr erreichen brauchst. Wozu die Gehaltserhöhung nachdem du im Lotto gewonnen hast?
Aber wir wollen beim Beispiel Gitarre spielen bleiben, weil es einfach mein Lieblingsbeispiel ist. Sagen wir, du hast den Job gewechselt, musst jetzt sehr viel reisen und kannst die Gitarre nicht überall hin mitnehmen, sodass es unmöglich ist, täglich zu trainieren. Vielleicht hast du ein Baby bekommen und plötzlich ganz andere Prioritäten im Leben und weder Zeit noch Nerven, um dir so ein ambitioniertes Nebenprojekt ans Bein zu binden.
Was es auch ist, ich möchte betonen: Ziele sind nicht in Stein gemeißelt! Es ist völlig okay, Ziele nach einer Weile zu verändern und an seine Lebenssituation und seine Wünsche anzupassen. Was für dich wichtig ist, entscheidest nur du. Und selbst, wenn du dein Ziel öffentlich gemacht und mit deinem Umfeld geteilt hast, ist es weder eine Schande, noch Versagen, wenn du deine Meinung änderst und zukünftig an etwas anderem arbeiten möchtest.
Wie oft sollte man seine Ziele reflektieren?
Je nachdem, wie viele Ziele du hast, wie groß oder klein die Ziele sind und wie nah du dem Erreichen des Zieles bereits bist, lässt sich diese Frage natürlich nicht pauschal beantworten. Ich möchte aber trotzdem einen Richtwert vorschlagen, der für mich ziemlich gut funktioniert. Dieser liegt bei 3-6 Monaten.
Selbst wenn es sich nur um kleine Ziele handelt, ist es absolut kontraproduktiv – und ich spreche da aus Erfahrung – wenn man alle 2 Wochen alles, was man tut, in Frage stellt. Sinnvoller ist es, seine Zähne zusammen zu beißen und den Dingen Zeit zu geben. Es schadet nicht, sich eine Erinnerung oder einen Termin zu geben, an dem man seine Ziele reflektiert und überarbeitet. Ich mache das alle 3 Monate.
Ich miste dann knallhart aus. Was sich nicht durchgesetzt hat, entspricht höchstwahrscheinlich nicht meinen Werten, meinen Wünschen und meinen Vorstellungen und ich streiche es von meiner Liste. Wenn es wirklich wirklich ein inneres Bedürfnis ist, dann kann ich es sowieso nicht vergessen und werde es spätestens bei der nächsten Reflexionsrunde wieder auf meine Zielliste setzen. Wahrscheinlich sieht es dann aber nicht mehr genauso aus, wie vorher, aber manchmal bleibt es auch über Jahre hinweg bestehen.
Gitarre spielen fällt bei mir in diese Kategorie.
Jetzt Du!
Wie und wie oft reflektierst du deine Ziele?
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