Disziplin, Junge! Wie du es schaffst, Verabredungen mit dir selbst einzuhalten

Wie oft nimmt man sich etwas vor und macht es dann doch nicht? Wenn du so bist, wie ich, dann sind Verabredungen mit anderen Menschen für dich Gesetz und du sagst sie nur im äußersten Notfall ab, warum aber kannst du nicht dieselbe Disziplin für Verabredungen mit dir selbst an den Tag legen?

Ich habe mir so oft Termine in den Kalender eingetragen, Timeblocking nennt man das neudeutsch, aber wenn der Moment dann gekommen war, habe ich einfach was anderes gemacht. Kein Kalendereintrag der Welt konnte mich beispielsweise zum Gitarre üben bewegen. Aber auch andere – eigentlich spaßige – Aktivitäten wie Julia Cameron’s Artist Date (Künstlertreff) habe ich kurzfristig sausen lassen.

Das Problem

Ich konnte keine Verbindlichkeiten mit mir selbst treffen und das hat sich massiv auf mein Selbstbewusstsein ausgewirkt. Ich hatte das Gefühl, ich würde nur labern, dass ich dies, das und jenes tun wollte, aber de facto habe ich nichts davon gemacht. Ich konnte mich nicht auf mich verlassen und das hat mich extrem gestört: Denn, wenn ich mich nicht mal auf mich selbst verlassen kann, worauf kann ich mich dann überhaupt verlassen?

Es war, als stritten sich zwei Seelen in meiner Brust: Die Julia, die Sachen machen WOLLTE und die Julia, du Sachen machen MUSSTE. Und ihr könnt mir glauben, die zweite Julia war unerträglich! Sie war weinerlich, bockig wie ein Esel und fluchte die ganze Zeit. Wenn man dann nachgab und sie von der bevorstehenden Aufgabe erlöste, verwandelte sie sich wieder in die erste Julia und war top motiviert, das zu tun, was sie gerade in diesem Moment am meisten interessierte.

An dieser Lösung störten mich zwei Dinge:

  1. Wenn ich immer nur tat, worauf ich gerade Lust hatte, würde ich niemals langfristig an einer Sache dran bleiben können. Denn meine Interessen und Neigungen wechselten so häufig wie das Wetter im April.
  2. Es hat mich sehr gestört, dass ich meine Verabredungen mit mir selbst, weniger respektierte, als die Verabredungen mit anderen Leuten. Das bedeutete, dass ich meine eigenen Entscheidungen und folglich mich selbst nicht respektierte.

Ich glaubte lange Zeit, das Problem bestünde darin, dass es mir einfach Spaß machte, Sachen zu planen, aber nicht sie auszuführen. Vielleicht würde es mich glücklich machen, wenn ich auch für andere Leute Pläne erstellen könnte. Auch wenn dieser Gedanke mich tröstete, löste er das Problem nicht.

Die Ursache

Mit Zwang kam ich also nicht weit. Mit Vorwürfen auch nicht. Aber was war die Ursache des Problems?

  1. Ich war zu gestresst und habe mir nicht genug Erholung gegönnt.
  2. Ich wollte zu viel auf einmal, habe mir also unrealistische Vorgaben gesetzt.

Wir haben ja im Artikel über das SPIRE-Glücksmodell gelesen, wie wichtig Erholung für das Wohlbefinden ist. Und ich muss zugeben, ich hab mir keine Pause gegönnt. Kein Wunder, dass mein inneres Kind gebockt hat. Ich brauche manchmal ein bisschen Zeit, um Ideen zu generieren, weiterzuverfolgen oder einfach zu tun, was mir gerade in den Sinn kommt, um entspannt zu sein und die Ideen aus dem Kopf zu kriegen.

Und diese Zeit hat die bockige Julia hartnäckig eingefordert. Nur Arbeit und kein Spiel machen Julia bockig! Und ich bin nicht die Einzige! Emilie Wapnick nennt solche kreativen Pausen Tinkering Time. Sie schlägt vor, dass wir uns öfter Zeit für spontane Ideen und andere Rabbit Holes nehmen. Also setz dir doch einfach mal eine Stunde “tun, worauf ich gerade Bock habe” in den Kalender und schau was passiert. Seitdem ich mehr Freizeit und mehr Tinkering Time habe, fällt es mir deutlich leichter mich mit unliebsamen Aufgaben zu beschäftigen und meine eigenen Vorgaben einzuhalten.

Der zweite Punkt war ein Planungsproblem. Ich habe tatsächlich deutlich unterschätzt, wieviel Zeit ich brauchen würde, um bestimmte Aufgaben oder Aktivitäten durchzuführen bzw. wie viel Energie es mich kosten würde. Also habe ich mir weniger Sachen verbindlich vorgenommen. Fokus war nämlich auch ein Thema, an dem ich gearbeitet habe. Ich habe meine To-Do-Liste also deutlich reduziert und ein bisschen experimentiert, wieviel ich an einem Tag schaffen könnte.

Da ich kein Roboter bin, ist das auch tagesformabhängig und je weniger feste Vorgaben ich mir setze, desto mehr schaffe ich tatsächlich. Da sich dann nämlich der oben beschriebene Vorgang umkehrt: Julia WILL plötzlich die Sachen machen, die sie machen MUSS. Der ultimative Produktivitätstipp ist daher meiner Ansicht nach der minimalistische Ansatz: Nimm dir nur eine Sache pro Tag vor! Alles Andere ist optional. Dann schaffst du mehr, hast mehr Spaß und bist entspannter.

Die Lösung

Den wichtigsten Tipp habe ich also bereits gespoilert. Der Erfolg liegt in minimalistischer Planung und viel Freiraum für Spontaneität. Hier sind noch ein paar weitere Tipps:

Genug Zeit für alles einplanen

Pausen, Erholung, Zeit für Reflexion und Träumereien sind genauso wichtig, wie die Arbeit selbst. Nimm dir lieber zu viel Zeit als zu wenig. Mach alles in Ruhe und setze knallharte Prioritäten. Zeit läuft für uns Menschen linear und wir können nicht an 3 Orten gleichzeitig sein. Daher tue eine Sache richtig, anstatt mehrere halbherzig und schluderig zu bearbeiten.

Andere Menschen einbeziehen

Wenn es dir leichter fällt, Verabredungen mit anderen Menschen einzuhalten, kannst du dir das zunutze machen, indem du eine weitere Person in deine Verabredung mit rein holst. Bitte deine Freundin, dich daran zu erinnern, dass du ja noch Gitarre üben wolltest bzw. nachzuhaken, ob du es schon getan hast. Teile deine Fortschritte in deinem Status oder deiner Story. Glaub mir, es gibt Leute, denen es auffallen wird, wenn du 3 Tage pausierst.

Erfolgserlebnisse

Um die Motivation zu steigern, sind Erfolgserlebnisse unerlässlich und du kannst einiges dafür tun, dir selbst Erfolgserlebnisse zu schaffen. In diesem Artikel findest du hilfreiche Informationen darüber und in diesem Artikel findest du weitere Tipps, um deine Motivation zu steigern.

Minimalistische Planung

Zum Abschluss möchte ich den wichtigsten Punkt noch einmal zusammenfassen: Plane wenig und mache viel! Nimm dir pro Tag eine Sache vor und ziehe sie durch. Alles Andere verwandelt sich dann in eine spaßvolle Aktivität. Mit der Zeit kannst du dich auf mehr als eine Aktivität steigern, je nachdem, wieviel Zeit und Energie du hast, aber am Anfang würde ich radikal sein und mich auf eine Aufgabe pro Tag fokussieren.

Jetzt Du!

Hast du auch Schwierigkeiten, Verabredungen mit dir selbst einzuhalten? Was hilft dir, deine eigenen Ziele höher zu priorisieren? Welchen Tipp möchtest du ausprobieren?

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