Ein leiser Neubeginn: Über Sinn, Verantwortung und ein Leben mit Anspruch

Schwuppdiwupp sind wir schon mitten im neuen Jahr. Eigentlich wollte ich noch einen Artikel über meine Bucketliste vom letzten Jahr schreiben und darüber berichten, dass ich 15 von 25 Punkten abhaken konnte und somit fast alle Orte, die ich besuchen wollte und Aktivitäten, die ich ausführen wollte, besucht und ausgeführt habe. Naja, nicht ganz, aber definitiv mehr als die Hälfte.

Ich finde, das ist eine ziemlich gute Quote, wenn man in Betracht zieht, dass Wünsche und Interessen sich im Laufe eines Jahres dramatisch ändern können, wie man ja auch an meinem Wolkenkratzer-Projekt sehen kann, und einige Punkte einfach schwieriger sind als andere (12x zum Kung Fu gehen? Wer hat sich das bitte ausgedacht?)

Keine Auswertung der Bucketliste

Ich habe jetzt aber gar keine Lust, alle Punkte einzeln durchzugehen. Ich belasse es einfach bei dieser Statistik und verliere noch ein paar Worte darüber, warum ich in diesem Jahr keine Bucketliste mache. Die Antwort ist so einfach wie simpel: Ich habe irgendwie gerade keine Lust auf spaßige Aktivitäten und Abenteuer. Der Ernst des Lebens ist bei mir eingezogen und mir ist es gerade wichtiger, meine beruflichen Ziele zu erreichen, als unbekannte Orte zu erforschen und zu verreisen.

Ich habe in den letzten zwei Jahren so viel unternommen, dass ich ein bisschen müde davon bin. Und ich glaube, das ist ein gutes Zeichen! Prioritäten ändern sich, Gewohnheiten auch und ich habe das Gefühl, ich muss mich nicht mehr dazu zwingen, Sachen zu machen, die Spaß machen – wenn ich was cooles unternehmen will, dann mache ich das einfach.

Weniger ist also mehr! Ich muss den Abenteuern nicht mehr hinterher jagen, im Gegenteil jagen die Abenteuer nun mich. Spaß zu haben ist wichtig, aber es gibt auch viele andere Dinge, die wichtig sind, die vielleicht sogar noch wichtiger sind.

Worin ich Erfüllung finde

Was ich im letzten Jahr ungelogen am allermeisten genossen habe, waren nicht die Ausflüge, sondern das Verfassen meines Businessplans. Es hat mir nicht nur unglaublich viel Freude bereitet, sondern mich auch herausgefordert und mir Erfolgserlebnisse beschert. Die zweite Tätigkeit, die mich positiv überrascht hat, war das Ehrenamt, das ich aufgenommen habe.

Ich finde mittlerweile mehr Erfüllung darin, regelmäßig zu Sportkursen zu gehen (allerdings nicht zum Kung Fu – warum auch immer) und jede Woche ein bisschen besser zu werden. Nicht, weil ich irgendwas optimieren muss, sondern weil es einfach Spaß macht, sich weiterzuentwickeln und seinen Spielraum zu erweitern. Es wird sicher noch eine Weile dauern, doch ich werde noch im Spagat sitzen. Ob das nun ein paar Monate dauert oder ein paar Jahre ist doch völlig egal.

Der Punkt, an dem ich gerade bin, ist keine Einschränkung mehr, sondern ein Potential, eine Fülle an Möglichkeiten, und die Gewohnheiten, die ich aufgebaut habe, werden mich unausweichlich zu meinen Zielen führen. Das macht die Ziele irgendwie weniger wichtig und den Prozess aufregend und interessant. Ich bin so präsent wie nie und ich fühle mich ausgefüllt und zufrieden.

Was ich jetzt also tue

Ich widme mich also erfüllender Arbeit. Und für mich bedeutet das, dass ich die Chefin sein muss. Nicht weil ich mich nicht unterordnen kann, sondern weil ich mich nicht unterordnen will – und weil ich am besten weiß, was gut für mich ist. Wieviel ich leisten kann. Wieviel Pausen ich brauche. Wieviel Ablenkung, Spaß und Entertainment ich brauche. Ich habe mittlerweile gelernt, da ein angenehmes Maß zu finden.

Erst kürzlich hörte ich wieder den Spruch, dass Disziplin die höchste Form der Selbstliebe sei und ich kann das nur unterstreichen. Nichts gibt einem mehr Vertrauen als Verabredungen mit sich selbst einzuhalten. Ich habe echt lange damit gehadert, aber mittlerweile gelingt es mir ganz gut, was vor allen Dingen daran liegt, dass ich mir viel weniger vornehme.

Und dieses Vertrauen überstrahlt alles andere. Das, was andere Leute als Arbeit bezeichnen, ist also meine größte Erfüllung geworden und das vor allem deswegen, weil ich die Arbeit vom Lohn entkoppelt habe. Ich glaube, darin liegt das ganze Geheimnis. Ich arbeite ehrenamtlich, ich arbeite freiwillig und ja, ich möchte Geld verdienen, aber ich werde meine Lebenszeit nicht mehr verkaufen. Mein Leben ist dafür zu wertvoll!

Ich möchte Dienstleistungen und Produkte, die ich erstellt habe, verkaufen, aber nicht meine Aufmerksamkeit und auch nicht meine Anwesenheit. Für mich ist das ein Gamechanger. Und ich hoffe sehr, dass ich dabei bleiben kann. Aber selbst wenn ich wieder einen Job annehmen müsste, hätte mein Mindset sich zu 1000% gewandelt, sodass ich mich besser davon abgrenzen könnte, so hoffe ich zumindest.

Einen Unterschied machen

Außerdem möchte ich der Gemeinschaft und der Welt dienen. Ich wollte schon immer mit meiner Arbeit einen Unterschied machen – und ich hasse das Wort Arbeit. Vielleicht nennen es wir lieber Dienst. Ich diene der Menschheit. Ich möchte helfen. Ich möchte einen Beitrag leisten. Ich möchte einen Unterschied machen. Ich denke auch, dass mir das gelingt und in Zukunft noch besser gelingen wird.

Der Punkt ist also Freiwilligkeit. Nicht durch finanzielle Abhängigkeiten gezwungen zu sein, bestimmte Tätigkeiten ausführen zu müssen, sondern aus freien Stücken, Zeit und Energie investieren zu können, so wie ich es für richtig halte. Ziele zu unterstützen, die mir relevant und wichtig erscheinen und nicht irgendeine Firma (und dahinterstehende Einzelperson) zu nähren, die vielleicht gar nicht mit meinen Werten im Einklang steht. Dieses Privileg habe ich mir hart erkämpft. Und viele Menschen in meinem Umfeld haben dafür gar kein Verständnis. Für mich ist das aber zentral.

Denn ich habe große Ziele.

Und so beende ich diesen Artikel, der auf wundersame Weise zu einer Reflektion über meine wichtigsten Werte geworden ist und hoffentlich einen Ausblick darauf gibt, was man von mir erwarten kann. Das letzte Jahr war unglaublich lehrreich für mich und auch all die Jahre zuvor. Wie eine Zwiebel habe ich Schale um Schale abgepellt und auch wenn ich dabei viele Tränen weinen musste, so habe ich doch einen Punkt erreicht, an dem ich mich wirklich stark, sicher und selbstbewusst fühle.

Ich weiß, was ich will. Ich weiß, was ich kann. Und ich weiß, was ich tun werde.

Jetzt Du!

Was ist dein Verhältnis zu Arbeit? Hast du dich schon mal ehrenamtlich engagiert?

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