Der Tag meiner Firmengründung rückt immer näher und ich merke, wie ich mich in einem Mauseloch nach dem anderen verkrieche. Dabei ist Mauseloch nicht der richtige Begriff, es handelt sich vielmehr um den berüchtigten Kaninchenbau, der mich in verlockende neue Galaxien einladen will. Und das sogar im Plural. Jetzt wo das, was Spaß macht, plötzlich Arbeit ist, will ich mich davor drücken und irgendwie ist mir unterwegs auch der Glaube an mein Projekt verloren gegangen.
Ich hab so viel darüber nachgedacht und ja, es könnte klappen. Es gibt vieles, was dafür spricht. Doch die Angst sitzt mir im Nacken. Und die Gleichgültigkeit. Ich frage mich, wo die herkommt.
Dabei ist diese Gleichgültigkeit gar nicht so ungewöhnlich. Sie ist ein Schutzmechanismus. Immer wenn etwas wirklich wichtig wird, wird es mir plötzlich egal und ich will mich nicht mehr damit beschäftigen. So vermeide ich Enttäuschungen. Denn meine Erwartungen sind stets zu hoch. Und in diesem Fall ganz besonders. Meine Nachbarin hat gesagt: Es muss klappen. Und sie hat Recht: Es MUSS einfach klappen!
Und diese schreckliche Frage Was, wenn nicht? möchte ich mir nicht stellen. Ich habe Vertrauen in mich. Ich weiß, dass es immer irgendwie weitergeht. Und damit ich mir diese Frage nicht stellen muss, sabotier ich mich einfach von vornherein. Dann weiß ich, dass es eine Katastrophe wird und kann mich direkt darauf einstellen. Warum auch habe ich mein Herz an irgendetwas gehängt?
Wie komme ich aus der Nummer raus?
Dieser Text ist zur Abwechslung mal kein gut gemeinter Ratschlag, sondern eher therapeutischer Natur. Ich habe Fragen. Ich habe Ängste. Ich habe keinen Bock. Ich will so viel und sehe den Wald vor Bäumen nicht. Ich verheddere mich in Kleinigkeiten und verliere mich in Unwichtigem, anstatt die großen Aufgaben anzugehen. Zusätzlich mache ich mir Vorwürfe. Was für eine tödliche Kombi!
Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, die Rolltreppe nach oben zu nehmen und nicht in endlosen Spiralen dem Abgrund entgegen zu schnörkeln. Vielleicht bin ich nicht bei Sinnen. Aber wer ist das schon?
Ich verbiete mir also die Vorwürfe. Ich akzeptiere und floriere – das ist mein Mantra. Es ist okay, dass ich nicht mehr so motiviert bin, wie am ersten Tag. Es ist okay, dass ich auch andere Sachen machen will. Es ist okay – nein, es ist nicht okay, alles hinzuschmeißen! Reiß dich zusammen, Julia.
Was sind Blockaden?
Und vielleicht verwandelt sich dieser jammerige Artikel auf wundersame Weise doch noch in einen klugen Ratschlag, wenn ich das Problem nämlich nicht als Prokrastination bezeichne, sondern als Blockade. Laut ChatGPT gibt es mehrere Arten von Blockaden:
- Emotionale Blockaden
- Mentale Blockaden
- Körperliche Blockaden
Emotionale Blockaden entstehen oft aus tieferliegenden Gefühlen wie Angst, Scham oder Traurigkeit. Vielleicht traust du dir etwas nicht zu, hast Angst zu scheitern oder fürchtest, nicht gut genug zu sein. Manchmal tarnt sich das als Gleichgültigkeit oder Antriebslosigkeit – in Wahrheit schützt dich dein System vor Verletzung. Die Emotionen legen sich wie ein schwerer Mantel über deine Motivation.
Mentale Blockaden zeigen sich oft als innere Unordnung. Die Gedanken kreisen, widersprechen sich oder verheddern sich in Details. Du weißt theoretisch, was zu tun wäre, aber du kannst dich einfach nicht entscheiden oder kommst keinen Schritt voran. Typische Symptome: Entscheidungsunfähigkeit, Overthinking, unrealistische Erwartungen oder das Gefühl, alles gleichzeitig tun zu müssen. Der Verstand steht sich selbst im Weg.
Nicht jede Blockade ist psychologisch – manchmal ist der Körper einfach müde. Zu wenig Schlaf, Reizüberflutung, fehlende Bewegung oder Überarbeitung können dazu führen, dass du dich ausgelaugt und wie gelähmt fühlst. Selbst kleine Aufgaben wirken dann wie unüberwindbare Hürden. In diesen Momenten ist Erholung keine Schwäche, sondern die notwendige Voraussetzung für Handlungsfähigkeit.
Wie erkenne ich Blockaden?
Meiner Ansicht nach, sind mentale und körperliche Blockaden relativ einfach auszumachen. Man weiß ja, ob man genug geschlafen und gegessen hat oder nicht und man merkt in der Regel auch, wenn die Gedanken sich im Kreis drehen. Ganz anders ist das mit den emotionalen Blockaden, die uns ganz schön in die Irre führen können.
Emotional blockiert zu sein, fühlt sich selten an wie „ich hab Angst“ oder „ich bin traurig“. Es tarnt sich. Als Müdigkeit. Als Ablenkung. Als Netflix-Marathon. Oder als scheinbar rationale Entscheidung, dass jetzt „wirklich wichtigere Dinge“ zu tun sind.
Man fühlt sich leer oder gereizt, vermeidet bestimmte Aufgaben, denkt „Ich hab einfach keine Lust“ – dabei liegt die wahre Ursache oft tiefer: Angst vor dem Scheitern, vor Ablehnung oder davor, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.
Genau das, was ich oben beschrieben habe, die plötzliche Gleichgültigkeit und Unlust sind so typisch für eine emotionale Blockade. Nur weil ich dieses Phänomen von mir bereits kenne, kann ich es als Blockade identifizieren. Aber reicht das schon, um dagegen vorzugehen?
Was tun bei emotionalen Blockaden?
Laut ChatGPT ist der erste Schritt, sie überhaupt wahrzunehmen. Und dafür braucht es manchmal radikale Ehrlichkeit. Statt sich zu fragen „Warum krieg ich das nicht hin?“, sollte man lieber fragen:
„Wovor habe ich gerade Angst?“
„Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte?“
„Welche Gefühle drücke ich vielleicht gerade weg?“
Oft reicht es schon, sich diese Fragen zu stellen – ohne sofort eine Lösung zu brauchen. Denn wenn Gefühle gesehen werden, verlieren sie ihre Macht.
In meinem Fall ist es ganz klar, die Angst vor dem Scheitern gepaart mit Druck durch hohe Erwartungen. Beide sind sehr gute Bekannte von mir, auch wenn wir wohl niemals Freunde werden. Eigentlich müsste ich keine Angst vor dem Scheitern haben. Ich bin in meinem Leben so oft gescheitert, dass ich überlege meiner Autobiografie den Titel “Meine Karriere als Versagerin” zu geben.
Und doch will ich mir gerade deswegen eine weitere Enttäuschung ersparen. “Es reicht jetzt mal.”, bockt mein inneres Kind. “Wie oft willst du dich noch in die Scheiße reiten?”, fragt es mich vorwurfsvoll.
Das ist vielleicht der größte Trick, den emotionale Blockaden auf Lager haben: Sie geben sich als Vernunft aus. Als kluge Zurückhaltung. Als Selbstschutz. Aber in Wirklichkeit halten sie uns klein – aus Angst, erneut verletzt zu werden.
Fazit
Blockaden können uns ganz schön aus der Bahn werfen – aber wenn wir ihre Tricks durchschauen, verlieren sie ihren Schrecken. Mut bedeutet, weiterzugehen, obwohl man Angst hat. Es heißt, das eigene innere Kind ernst zu nehmen und trotzdem Risiken einzugehen. Wenn wir unsere Gefühle richtig deuten, verlieren sie ihre Macht – und wir gewinnen Klarheit und inneren Frieden.
Und ich? Ich stehe gerade mitten in meiner eigenen Mutprobe. In wenigen Wochen gründe ich mein Unternehmen – ein Schritt, der mich begeistert und gleichzeitig lähmt. Der Druck, dass es „klappen muss“, ist groß. Doch je mehr ich meine Blockaden erkenne und benenne, desto klarer wird mir: Der Weg muss nicht perfekt sein, er muss nur meiner sein. Und ich gehe ihn weiter – mit Herzklopfen, aber auch mit Hoffnung.
Jetzt Du
Hattest du schon einmal eine emotionale Blockade? Was hat dir geholfen?
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