Glücklich sein ist ein Akt des Widerstands

Ich fange meine Texte eigentlich ungern mit Zitaten oder Anekdoten an, aber heute möchte ich mal eine Ausnahme machen:

Als ich 5 Jahre alt war, sagte mir meine Mutter immer, dass das Glücklichsein das Wichtigste im Leben ist. Als ich zur Schule ging, fragten sie mich, was ich sein wollte, wenn ich erwachsen war. Ich schrieb „glücklich“ hin. Sie sagten mir, dass ich die Aufgabe nicht verstanden habe, und ich sagte ihnen, dass sie das Leben nicht verstanden hatten.

(John Lennon)

Warum ist es in unserer Welt so schwierig glücklich zu sein?

Ich glaube mittlerweile, dass uns aktiv Hindernisse in den Weg gelegt werden.

Denn eigentlich ist es ganz einfach, glücklich zu sein. Das fiel mir vor allen Dingen auf, als ich einen Spaziergang im verschneiten Park machte. Hier war ein Vater, der seine Kinder auf dem Schlitten durch den Park zog, dort war eine Familie, die einen Schneemann baute und dann war da noch der kleine Hund, der gar nicht damit aufhören konnte, sich im Schnee zu wälzen. Sie alle waren voller Lebensfreude und Glück.

Und das ist im Kapitalismus ein Problem: Wer zufrieden ist, braucht nichts.

Diesen Satz möchte ich gerne noch einmal wiederholen: Wer zufrieden ist, braucht nichts. Wer zufrieden ist, möchte nichts kaufen. Wer zufrieden ist, möchte sich nicht verbessern. Wer zufrieden ist, ist kein Konsument.

Unsere Gesellschaftsordnung basiert auf Unzufriedenheit (und Neid möchte ich hinzufügen). Vor allem die Werbeindustrie kreiert gezielt Unzufriedenheit, schürt Ängste und Missgunst. Ich möchte auch behaupten, dass künstlich Probleme erzeugt werden, die eigentlich nicht existieren. Da jedes Produkt die Lösung für ein Problem ist, werden immer mehr sinnlose Probleme erschaffen, von denen die Menschen gar nicht wussten, dass sie sie hatten.

Es ist nicht leicht, sich davon freizumachen, aber wenn man sich auf die kleinen Dinge im Leben fokussiert, und zu der Erkenntnis kommt, dass man selbst überhaupt nicht unzulänglich ist und sich gar nicht verbessern muss, ist es eigentlich sehr einfach glücklich zu sein.

Glücklich sein als Akt des Widerstandes

Darum bin ich zu dem Schluss gekommen, dass glücklich sein, ein Akt des Widerstandes gegen unsere Gesellschaftsordnung ist. Wenn wir glücklich sind und uns das Leben nicht madig reden lassen, können wir sehr viel Geld sparen und es in sinnvolle und nachhaltige Dinge investieren. Wir haben vielleicht sogar die Möglichkeit, an Organisationen zu spenden, die wir unterstützenswert finden.

Wir steigen aus, aus dem Hamsterrad des Konsums – denn das ist das eigentliche Hamsterrad – und stellen fest, dass wir tatsächlich fast gar nichts brauchen, um zufrieden zu sein. Definitiv nicht ein neues Auto und wahrscheinlich auch keine neue Tasche und vielleicht nicht einmal die Reise nach Thailand. Einmal die Rutsche auf dem Spielplatz runter und die Welt ist wieder in Ordnung, ich sags euch!

Wenn man sehr tief in dem Mangel-Mindset drin steckt, klappt das vielleicht nicht von heute auf morgen, aber mit der Zeit wird es immer leichter.

Ich finde es wirklich lustig, dass die Manifestationscoaches genau das Gleiche proklamieren: Sei dankbar und zufrieden. Dabei wollen die Menschen, die diese Techniken anwenden ja oft das Gegenteil: Nämlich MEHR. Insofern frage ich mich, wann diese Szene auf den Trichter kommt, dass sie ihre eigenen Ziele untergraben. Aber das soll nicht meine Sorge sein.

Wie positioniert sich die Potentialistin?

Mein Blog hat sich schon immer in einer schwierigen Lage und Erklärungsnot befunden: Einerseits lehne ich Selbstoptimierung und Produktivitätswahnsinn komplett ab, andererseits nutze ich Selbstmanagement-Techniken, die ja genau dafür da sind, die Produktivität zu erhöhen und sich selbst zu verbessern.

Nun gibt es allerdings meiner Ansicht nach 2 Arten von Selbstverbesserung: Die Eine, die ich Selbstoptimierung nennen möchte, liegt in gefühlter Unzulänglichkeit und Angst begründet, die zweite, die ich Selbstverwirklichung nennen möchte, ist ein Akt des Wachstums und der Entfaltung.

Selbstoptimierung ist Anpassung an eine toxische Welt und ist oft in Faktoren begründet, die außerhalb unserer selbst liegen, zum Beispiel darin, was unsere Eltern oder Partner wollen oder auch ganz platt darin, was wir denken, was wir tun müssten. Selbstverwirklichung dagegen ist (unter anderem laut Maslow) eines der höchsten Bedürfnisse des Menschen. Sie gründet sich auf Autonomie und Selbstbestimmung und richtet sich oft in irgendeiner Form gegen die herrschenden Verhältnisse (selbst wenn es sich nur gegen die Wünsche unserer Eltern richtet).

Selbstoptimierung macht uns Stress. Selbstverwirklichung macht uns glücklich.

Und genau aus diesem Grund sehe ich Selbstverwirklichung als höchste Form des Widerstands.

Selbstverwirklichung als höchste Form des Widerstands

Menschen, die das tun, was sie lieben, brauchen keine sinnlosen Dinge. Sie sind Akteure und keine Konsumenten. Sie gestalten die Welt anstatt sich zu irgendwas nötigen zu lassen und oftmals kämpfen sie sogar gegen die bestehenden Ungerechtigkeiten. Diese Menschen zu unterstützen, ist mein erklärtes Ziel. Und ich möchte auch mehr Menschen ermöglichen, so einen Zustand zu erreichen.

Genau aus diesem Grund beschäftige ich mich mit Selbstmanagement-Techniken. Für mich sind sie Empowerment-Techniken, die mir helfen, die Welt besser und sinnvoller zu gestalten, zum Beispiel indem ich meine Meinung auf diesem Blog äußere oder eine Community baue, die Einsamkeit eindämmen soll. Alles, was ich über Selbstmanagement gelernt habe, möchte ich weiter geben – in einer strukturierten praktischen Form. Bitte schreibe mir eine Nachricht, wenn du mehr darüber erfahren willst.

Fazit

Aus meiner Sicht ist der Ausstieg aus dem Hamsterrad des Konsums ein Akt des Widerstands gegen unsere Gesellschaftsordnung. Menschen, die zufrieden sind, und tun, was sie lieben, gestalten die Welt aktiv mit anstatt nur passive Konsumenten zu sein und sich berieseln zu lassen.

Jetzt Du!

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