Positives Denken ist einer der Eckpfeiler für ein zufriedenes Leben. Und doch wird selten darüber gesprochen, wie positives Denken eigentlich aussieht. Spoiler: Es besteht nicht darin, sich alles schön zu reden. Im Gegenteil geht es darum, ganz automatisch eine Perspektive einzunehmen, die den Fokus auf die Möglichkeiten legt, statt auf die Risiken. Beim positiven Denken werden die Probleme nicht unter den Teppich gekehrt, sondern analysiert und auf ihre Wahrscheinlichkeit hin untersucht.
Der meiner Ansicht nach wichtigste Unterschied zum negativen Denken besteht darin, dass man nicht von Angst geleitet wird, sondern von Vertrauen. Es wurde schon so oft gesagt, dass man es fast gar nicht mehr hören möchte, aber ich wiederhole es trotzdem: In jeder Krise steckt eine Chance zu einer Verbesserung oder einem Neuanfang. Wir werden uns in diesem Artikel anhand von zwei Beispielen den Unterschied zwischen positivem und negativem Denken anschauen und mit konkreten Tipps an unserer inneren Einstellung arbeiten.
Ich beschäftige mich jetzt schon seit einigen Jahren damit, wie man eine positive Grundeinstellung innehaben kann und ich kann euch versichern, dass es ein Prozess ist, der mit der Zeit immer leichter wird. Irgendwann verwandelt es sich in einen Automatismus und gerade Kleinigkeiten können einen dann nicht mehr aus der Bahn werfen. Insofern handelt es sich auch um Resilienztraining und das ist nie verkehrt.
Elfriede und Gerda
Elfriede und Gerda arbeiten in derselben Firma und teilen sich seit 3 Jahren ein Büro. Klar, in der letzten Zeit haben sie auch viel von zu Hause gearbeitet, aber sie kommen eigentlich lieber ins Office, weil sie dort mehr Ruhe haben und sich besser konzentrieren können.
Heute ist die jährliche Mitarbeiterversammlung. Die beiden Kolleginnen gehen zusammen mit den anderen Mitarbeitern in die Cafeteria, wo die Veranstaltung stattfindet. Die Jahreszahlen sehen nicht so gut aus und die Stimmung unter der Belegschaft ist schlecht. Auch Elfriede und Gerda sind nervös.
Dennoch fallen beide aus allen Wolken, als der CEO verkündet, dass es einen Stellenabbau geben wird. Welche Stellen betroffen sind, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Tief in Gedanken versunken gehen die beiden zurück in ihr Büro.
Elfriedes Gedanken
Elfriede spürt, wie sich ihr Magen zusammenzieht. „Das war’s,“ denkt sie. „Ich bin sicher, dass ich zu denjenigen gehören werde, die gehen müssen. Wie soll ich das meinen Kindern erklären? Was, wenn ich so schnell keinen neuen Job finde? Der Markt ist momentan so schwierig, und mit meinem Alter wird es sicher nicht einfacher. Vielleicht hätten wir doch nicht den neuen Wagen kaufen sollen. Wie soll ich jetzt noch einen klaren Gedanken fassen?“
Ihre Gedanken kreisen um all die möglichen negativen Konsequenzen. Sie malt sich aus, wie es wäre, arbeitslos zu sein, und sieht bereits all ihre Pläne und Hoffnungen schwinden. Der Druck lastet schwer auf ihr, und sie fühlt sich überwältigt von Sorgen und Ängsten. Sie kann sich kaum vorstellen, dass es einen Ausweg aus dieser Situation gibt, und alles erscheint ihr düster und hoffnungslos.
Gerdas Gedanken
Gerda ist ebenso erschüttert, aber sie zwingt sich, tief durchzuatmen. „Okay, das ist keine gute Nachricht, aber es bringt nichts, jetzt in Panik zu verfallen,“ denkt sie. „Welche Schritte kann ich jetzt unternehmen, um vorbereitet zu sein? Gibt es Möglichkeiten, wie ich mich in der Firma unentbehrlicher machen kann? Vielleicht kann ich mein Netzwerk stärken oder an den Projekten arbeiten, die für das Unternehmen besonders wichtig sind. Was kann ich aktiv beeinflussen?“
Gerda erinnert sich an die Herausforderungen, die sie in der Vergangenheit gemeistert hat. „Ich habe es schon einmal geschafft, als ich in meiner alten Firma gekündigt wurde. Damals dachte ich auch, es wäre das Ende der Welt, und doch hat sich am Ende eine neue Tür geöffnet. Vielleicht ist das hier auch eine Chance, um über neue Möglichkeiten nachzudenken. Was wollte ich schon immer mal ausprobieren, aber habe es nie gewagt?“
Zusammenfassung der Denkweisen
- Elfriede fokussiert sich stark auf die negativen Aspekte der Ankündigung. Ihre Gedanken kreisen um Worst-Case-Szenarien und die möglichen negativen Konsequenzen, die ihr widerfahren könnten. Sie fühlt sich von der Situation überwältigt und sieht keine Handlungsmöglichkeiten, was ihre Sorgen noch verstärkt.
- Gerda erkennt die Schwere der Situation an, aber sie lenkt ihre Aufmerksamkeit bewusst auf das, was sie kontrollieren kann. Sie stellt sich Fragen, die ihr helfen, proaktiv zu bleiben, und sieht die Situation als eine Herausforderung, aber auch als eine potenzielle Chance. Ihr positives Denken bedeutet nicht, dass sie die Risiken ignoriert, sondern dass sie ihre Energie auf lösungsorientiertes Handeln konzentriert.
Sicher ist dies ein etwas plakatives Beispiel und ich möchte auch nicht sagen, dass es grundsätzlich falsch ist, so zu reagieren, wie Elfriede es tut. Vielleicht ist sie nur im ersten Augenblick so erschüttert und mutlos und die Welt sieht schon ganz anders aus, nachdem sie eine Nacht darüber geschlafen hat. Es ist auf keinen Fall ein Fehler, seine Gefühle zuzulassen, egal wie sie aussehen.
Hinzu kommt, dass unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Herausforderungen unterschiedlich umgehen. Vielleicht ist für Gerda aufgrund ihrer Vergangenheit eine berufliche Neuorientierung schlichtweg nicht so angsteinflößend, da sie dies schon mehrfach erlebt hat, während Elfriede als langjährige Mitarbeiterin desselben Unternehmens diesem Problem zum ersten Mal gegenüber steht.
Positiv Denken
Gehen wir aber mal davon aus, dass der gedankliche Trend der beiden Protagonistinnen sich fortsetzt. Elfriede sieht weiterhin schwarz, während Gerda positiv denkt. Mit positivem Denken meine ich nicht, Negatives auszublenden, sondern die Aufmerksamkeit in eine positive Richtung zu lenken, z. B. auf die Erfolge der Vergangenheit oder die potentiellen Möglichkeiten, die eine berufliche Umorientierung bietet.
Außerdem ist es wichtig, konstruktive Fragen zu stellen. Das sind idealerweise Fragen, die nicht mit WARUM anfangen, sondern mit WIE oder WAS.
- Also nicht: Warum passiert mir sowas? Womit habe ich das verdient?
- Sondern: Wie kann ich mit diesem Problem umgehen? Was kann ich tun, um das Blatt zu wenden.
Je nachdem, welche Erfahrungen man in seinem Leben gemacht und welche Methoden man von seinem Umfeld gelernt hat, kann es ein langwieriger Lernprozess sein, bis man positives Denken als Automatismus verinnerlicht hat. Positives Denken ist nicht nur bei Schicksalsschlägen wichtig, sondern kann auch im Alltag zu einer völlig anderen Lebensqualität führen. Zum Beispiel wenn man die Fahrkünste der anderen Verkehrsteilnehmer, die Wartezeit an der Kasse im Supermarkt und die nervigen Kollegen gelassener hinnehmen und sich in diesen Momenten an anderen Dingen erfreuen kann.
Positive Grundeinstellung
Wie kann man aber lernen, positivere Gedanken zu haben? Folgende Strategien haben sich bei mir als hilfreich erwiesen:
Visualisierungen
Frag dich doch mal: Was wäre das Beste, was passieren könnte? Was wäre, wenn alles perfekt laufen würde?
Dankbarkeit
Okay, gerade läuft es nicht so gut, aber gibt es vielleicht sogar in dieser Situation etwas, für das du richtig dankbar bist?
Erfolge
Ob die aktuelle Situation ein Erfolg wird, ist noch nicht abzusehen, aber es gibt sicherlich etwas in deiner Vergangenheit, worauf du richtig stolz bist und was dir in diesem Moment Kraft geben kann.
Lächeln
Wusstest du, dass man auch ohne Grund lächeln kann? Zieh doch mal die Mundwinkel nach oben, das gibt deinem Körper ein positives Signal.
Körperhaltung
Steh gerade! Brust raus, Bauch rein. Wenn du da hängst, wie ein Schluck Wasser, fühlt sich auch dein Körper nicht wohl. Mit einer aufrechten Körperhaltung werden auch deine Mitmenschen ganz anders auf dich reagieren.
Nachrichtendiät
Halte dich von Katastrophenmeldungen fern. Gleiches gilt für Medien, die ihr Geld mit Ängsten von Menschen verdienen. Wirklich wichtige Nachrichten werden dich immer erreichen!
Bewegung & frische Luft
Sportliche Betätigung kurbelt die Produktion körpereigener Glückshormone an. Ein Spaziergang an der frischen Luft kann Wunder wirken, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Verzeihen
Groll zu hegen kann wirklich sehr aufs Gemüt schlagen und dich langfristig in eine negative Gedankenspirale ziehen. Wenn du vergeben kannst, kannst du auch Vergessen und das ist die Sache praktisch immer wert!
Meditieren
Meditieren ist auch eine gute Methode, um Ruhe und Klarheit zu gewinnen und ich möchte es hier nicht auslassen, auch wenn es nicht meine bevorzugte Methode ist.
Was nicht hilft
Was meiner Ansicht nach nicht unbedingt hilft, sind Affirmationen. Wenn du dir etwas aufsagst, was du nicht mit ganzem Herzen glauben kannst, kann dir sogar eher schaden, als dich positiv zu primen.
Außerdem ist es auch eher schädlich, sich mit Anderen zu vergleichen. Selbst wenn es den Anderen so viel schlechter geht als einem selbst, zieht mich so ein Vergleich in der Regel eher runter. Ich mache mir dann schnell Vorwürfe, dass ich undankbar bin, weil es mir so viel besser geht und ich trotzdem nicht zufrieden sein kann und damit hackt man dann schnell auf sich selbst rum.
Fokus
Der wohl wichtigste Punkt ist meiner Ansicht nach, seinen Fokus und seine Aufmerksamkeit zu lenken. Deswegen möchte ich ihn hier gerne wiederholen. In jedem Menschen leben zwei Wölfe, ein guter und ein schlechter. Welcher Wolf stärker ist, hängt davon ab, welchen du fütterst.
Dabei geht es nicht darum, das Negative auszublenden, sondern darum, ihm nicht zu viel Raum zu geben. Naturgemäß berühren uns die negativen Dinge mehr als die positiven. Sie hinterlassen in uns einen Stachel und erzeugen vielleicht sogar Schmerzen oder Ängste.
In diesem Schmerz etwas zu finden, wofür man dankbar ist, eine Hoffnung oder Chance zu sehen, ist eine wahre Kunst und diese Kunst kann jeder erlernen. Manchen fällt es vielleicht leichter, anderen fällt es schwerer. Aber es ist die Kunst, das Leben zu genießen, Herausforderungen anzugehen und das Beste aus jeder Situation zu machen, die das Leben lebenswert macht.
Jetzt Du!
Fällt dir Positives Denken leicht? Welche Strategien funktionieren für dich besonders gut?

