Ich muss zugeben, dass mich das Ziel der 100 Blogposts tatsächlich an meine Grenzen gebracht hat. Ich habe es bewusst als stretchy Goal gesetzt, das heißt als Ziel, von dem ich nicht sicher war, ob ich es erreichen werde. Ich habe mir 50 Tage Zeit gegeben, um 33 Blogposts zu verfassen, was für mich ziemlich ambitioniert war. Ich wollte herausfinden, wieviele Artikel ich so pro Tag, pro Woche, pro Monat schaffen kann, wenn ich mir nur darauf konzentriere.
Nun führte das aber dazu, dass ich auf Knopfdrucke neue Artikelideen aus dem Eimer schütteln musste bzw. bereits vorhandene Ideen ausarbeiten. Für mich funktioniert es besser, ein neues Thema anzugehen, weil ich in dem Moment, in dem ich die Idee habe, auch weitere Ideen für den konkreten Inhalt habe. Das ist auch der Grund, warum mein Friedhof der Artikelideen ungefähr 200 Titel umfasst. Theoretisch müsste ich eines nach dem Anderen abarbeiten, aber leider funktioniert das nicht immer.
Das bringt mich zum Thema dieses Beitrages. Wer in einem kreativen Beruf arbeitet oder sich für seine Freizeitprojekte ambitionierte Ziele setzt, muss sich darauf verlassen können, jeden Tag neue Ideen zu haben, um nicht stecken zu bleiben. Da es viele Menschen gibt, die in kreativen Berufen tätig sind, muss das irgendwie möglich sein. Und tatsächlich gibt es einige Vorkehrungen, die man treffen kann, um die Kreativität im Fluss zu halten. In diesem Artikel möchte ich einige davon vorstellen, die mir geholfen haben.
Die Umgebung
Eine räumliche Trennung der kreativen Arbeit vom restlichen Leben, kann extrem hilfreich sein. Wenn du zum Beispiel einen extra Tisch für deine Malprojekte hast, kannst du dort alle Utensilien aufbewahren, die du für die Aktivität brauchst und musst nicht jedes Mal alles rauskramen und wieder weg räumen. Diese räumliche Trennung hilft auch deinem Gehirn dabei sich auf die Aktivität einzustimmen: Wann immer du an deinen Maltisch gehst, wird gemalt.
Du kannst die räumliche Trennung auch in deinem PC vornehmen, indem du zum Beispiel bestimmte Programme ausschließlich für bestimmte Aktivitäten nutzt. Deswegen ist es sehr nützlich, spezialisierte Programme statt eierlegender Wollmilchsäue zu verwenden. Mein Gehirn weiß, dass es schreiben muss, wenn ich Coda, OneNote oder Scrivener öffne.
Um auf Knopfdruck kreativ zu sein, muss dein Schreibtisch nicht tippi toppi aufgeräumt sein. Es kann im Gegenteil helfen, inspirierende Bilder oder Zitate vor dir zu haben und natürlich deine Arbeitsutensilien, damit du nicht jedes Mal weit rennen musst, wenn du sie brauchst. Ein bisschen Platz hilft aber (zumindest mir) beim Kreativ sein.
Das Gehirn vorwärmen
Das Laden des Musikbearbeitungsprogramms kann dich, wie bereits erwähnt, auf deine künstlerische Tätigkeit einstimmen. Noch mehr natürlich das Stimmen deines Instruments oder das Bereitlegen deiner Pinsel. Vielleicht hörst du auch immer ein bestimmtes Lied, wenn du mit der Arbeit beginnst oder eine bestimmte Playlist während du deiner kreativen Tätigkeit nachgehst. Oder du kochst dir eine Tasse Tee, bevor du loslegst.
Solche Rituale sind sehr hilfreich, um dich auf die Tätigkeit einzustellen.
Du kannst dein Gehirn auch vorwärmen, indem du dir gezielt Inspiration von außen holst. 10 Minuten auf Pinterest surfen. 15 Minuten Youtube Videos schauen. Aber da muss man dann echt hinterher sein, dass es nicht ausartet und das konsequent begrenzen. Mit einer Übung zu beginnen kann auch ein hervorragender Weg sein, um das Gehirn vorzuwärmen.
Mir ist es wichtig, vor der kreativen Arbeit mein Gehirn zu entleeren und alle störenden Gedanken irgendwo anders niederzuschreiben. Das mache ich auch währenddessen, sobald mir eine ablenkende Idee kommt.
Kreativitätstechniken
Es gibt eine Fülle an Kreativitätstechniken, -aufgaben und -übungen, die man nutzen kann, um die Musen anzulocken. Je nach Art deiner Tätigkeit werden sicherlich andere Techniken in Frage kommen. Ich werde dieses Thema noch weiter recherchieren und schon bald einen eigenen Artikel dazu verfassen. Mich stört an den Kreativitätstechniken, dass die meisten dafür gemacht sind, Probleme zu lösen. Sie passen also eher im Business Kontext.
Was mir vor allem hilft, sind Mindmaps/Cluster oder Listen. Ich liebe es, Listen zu verfassen. Zum Beispiel mit Artikelideen, Dingen, für die ich dankbar bin, To Do Listen, To not do Listen, Wünschen, Ideen usw. Ich habe mich tatsächlich hingesetzt und einfach nur Artikelideen aufgeschrieben, bis eine kam, die ich sofort ausarbeiten wollte. Dann habe ich sie ausgearbeitet.
Ich muss zugeben, dass ich das mit den Übungsaufgaben noch nicht probiert habe, es aber sehr attraktiv finde und in den nächsten Tagen testen möchte. Was ich im Rahmen meiner Morgenroutine gemacht habe, war jeden Tag ein Gedicht zu schreiben, aber irgendwie fällt es mir schwer, dran zu bleiben. An einigen Tagen flutscht es, an anderen überhaupt nicht, sodass ich es immer wieder unter den Tisch fallen lasse.
Einschränkungen
Wenn du 8 Stunden Zeit hast, einen Text zu schreiben, wirst du auch 8 Stunden dafür brauchen. Das psychologische Prinzip hinter dieser Regel ist Parkinsons Gesetz. Es besagt: “Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.” Deswegen ist es so wichtig, sich zu beschränken und nicht zu viel Zeit für bestimmte Aufgaben zu reservieren.
Natürlich sollte man sich auch nicht zu wenig Zeit geben. Das funktioniert dann auch wieder nicht. Deswegen ist es gar nicht so einfach, da eine gesunde Balance zu finden. Mir hilft es, dabei nicht auf das Resultat zu schauen, sondern nur auf die wirklich produktiv investierte Zeit. Eine Stunde konzentrierte Arbeit ist immer ein Erfolg, egal ob am Ende ein fertiger Text steht oder noch nicht.
Auch mein Ziel der 100 Blogposts war so eine künstliche Einschränkung. Es gab keinen Grund in 50 Tagen 33 Artikel zu verfassen, ich hätte mir dafür problemlos 7 Monate Zeit geben können, da ja die Artikel eh erst bis Ende Juni veröffentlicht werden würden, aber ich wollte mich herausfordern und schauen, wieviel ich schaffen kann.
Ein anderer Weg, durch den man sich begrenzen kann, sind Ressourcen. Verknappung bringt unsere kreativen Geister in Höchstform. Wer kennt nicht die Angst vor dem weißen Blatt? Wenn man sich auf ein bestimmtes Thema begrenzt oder auf eine bestimmte Form, kommen gleich viel mehr Ideen, als wenn man aus der Unendlichkeit aller Möglichkeiten schöpfen kann. Das Konkrete ist der Freund der Kreativität.
Pausen & Routine-Tätigkeiten
Kreative Arbeit ist anstrengend. Damit dir nicht der Saft ausgeht, ist es wichtig, regelmäßig Pausen einzulegen und insgesamt entspannt zu bleiben. Hetzen und Druck hemmen unsere Kreativität. Und tatsächlich kommen den meisten Menschen die besten Ideen, bei Routine-Tätigkeiten, wie Duschen, Kochen, Putzen, Autofahren.
Wenn du an einem Punkt stecken bleibst, kann es also helfen, die Perspektive zu wechseln oder einen Schritt zurück zu machen und dich mit deinem Haushalt zu beschäftigen. Ein Spaziergang in der Natur kann wahre Wunder bewirken und all unsere Batterien aufladen.
Es schadet auch nicht, dir Inspiration von außen zu holen. Mit Leuten reden, auf Pinterest surfen, eine Google- oder Youtube-Recherche und schon kommen dir wieder neue Ideen.
Selbstfürsorge
Manchmal hilft aber alles nichts! Vor allem keine Selbstvorwürfe. Wenn der innere Kritiker zum Gegenschlag ausholt, kann ihn manchmal nichts in der Welt zum Verstummen bringen. Wenn du dein Kunstwerk beiseite legst und es dir in einer Woche noch einmal anschaust, wird es dir besser gefallen, als in diesem Moment der akuten Verblendung.
Mir ging es jedenfalls mit all meinen Werken so, von Bauchtanzvideos über Texte aller Art. Was heute nicht gut genug ist, wird es vielleicht morgen sein und wenn nicht, so kannst du jederzeit daran weiterarbeiten. Und du kannst es auch immer noch in die Tonne kloppen, wenn du das dann wirklich noch willst. Aber es ist hilfreich auch schlechte Werke aufzuheben, wenn auch nur für das Familienalbum.
Aber der Punkt, den ich hier eigentlich machen möchte, ist der, nachsichtig mit dir umzugehen. Kreativität ist tagesformabhängig und an manchen Tagen läuft es einfach nicht. Da hilft es nur, die Standards herunterzuschrauben und weiterzumachen: “Auch eine schlechte Künstlerin ist eine Künstlerin.” Und um eine besser Künstlerin zu werden, muss sie schlechte Sachen machen dürfen.
Sei liebevoll mit dir, gönn dir etwas und akzeptiere den schlechten Tag. Es kommen auch wieder bessere.
Jetzt Du!
Was hilft dir dabei, konstant kreativ zu bleiben? Welchen Tipp findest du besonders hilfreich?

