Jedes Jahr zur Adventszeit fragt man sich aufs Neue, wie man den wohlstandsverliebten Menschen des 21. Jahrhunderts überhaupt noch etwas Gutes tun kann. Denn man möchte so gern leuchtende Augen unterm Weihnachtsbaum sehen und zwar nicht nur von den Kiddies, sondern auch von den Erwachsenen. Aber ach, es ist so schwer geworden, Freude zu schenken, jedenfalls in Form materieller Gegenstände.
Daher habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht und Ideen aufgeschrieben, um euch das Fest zu versüßen. Da ich ein großer Gegner davon bin, sinnlosen Schrott zu verschenken, den kein Mensch braucht, ist meine Liste eher pragmatisch als kreativ. Dabei findet ihr die wichtigste Idee am Ende des Beitrags, also bitte Dranbleiben!
Bevor wir in die Materie einsteigen, möchte ich auf ein paar grundlegende Aspekte des Schenkens eingehen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, aber vielleicht doch manchmal untergehen.
Schenken für Anfänger
Gute Geschenke zeugen von Einfühlungsvermögen, denn sie sollen die beschenkte Person glücklich machen und nicht dich. Je besser man sich kennt, desto besser kann man auf die Bedürfnisse des Anderen eingehen. Dabei zeigt sich schnell, wieviel Aufmerksamkeit man einander entgegen bringt. Und das ist auch der Grund, warum Schenken so ein sensibles Thema ist.
Wenn man unpassende Geschenke erhält, fühlt man sich unverstanden und nicht wertgeschätzt. Die Intention des Schenkenden wird durch so eine Unachtsamkeit leicht ins Gegenteil verkehrt. Auf der Tagesordnung stehen dann statt leuchtenden Augen, Frust, Ärger, Streit und Tränen. Schlimmstenfalls können Geschenke übergriffig oder beleidigend wirken. (Beispiel: Parfum/Duschgel → Rieche ich etwa schlecht?)
Beim Schenken besteht daher immer ein gewisses Risiko, vor allem wenn man vereinbart, sich nichts* zu schenken. 😉 Auch wenn die Folgen nicht unbedingt mega gravierend sein müssen, kann ein unpassendes Geschenk doch ganz schön an einer Beziehung kratzen. Man kann also viel falsch machen, aber man kann auch viel richtig machen. Im Folgenden meine besten Ideen für bessere Geschenke!
Sammlungen vervollständigen
Die Menschen, die sich am einfachsten glücklich machen lassen, sind Leute, die sich der Sammlerleidenschaft verschrieben haben. Egal, was man sammelt, Pokémon Kuscheltiere, Briefmarken, Star Wars Tassen, Gartenzwerge – solange das Umfeld davon weiß, kann es helfen, die Sammlung zu erweitern.
Klar könnte es vorkommen, dass die Sammlerin genau die Tasse vielleicht schon hat. Das hängt ein bisschen davon ab, wie umfangreich die Sammlung ist, wie gut der Schenkende die Sammlung kennt und wie schwierig es ist, die gesammelten Objekte zu bekommen. Aber selbst so ein Faux-Pas ist kein Weltuntergang. Zeugt er doch davon, dass man sich Gedanken gemacht und sich in die beschenkte Person hineinversetzt hat.
Insofern möchte ich alle auffordern, sich noch heute eine Sammlung zuzulegen. Damit tust du Freunden und Familienangehörigen einen Riesengefallen und vielleicht ist das, was du sammelst, ja irgendwann ganz viel wert. Ich habe daher beschlossen, ab sofort Gedichtbände zu sammeln. Da ich bisher nur einen besitze, kann auch niemand etwas falsch machen. 🙂
Gemeinsame Erinnerungen schaffen
Ein Favorit des Zeitgeistes ist es statt Dingen gemeinsame Zeit zu schenken. Auf Zeit statt Zeug findet man dafür ein paar Anregungen. Unterm Weihnachtsbaum sieht so ein Geschenk dann meist aus wie ein Gutschein und lässt sich perfekt mit einem der nächsten Punkte kombinieren. Denkbar wären aber auch Tickets statt Gutschein für Theater, Konzerte oder sonstige Aufführungen oder für einen Museumsbesuch.
Indem man Erlebnisse verschenkt, schafft man gemeinsame Erinnerungen und das schweißt zusammen und macht glücklich. Überlege dir, ob du bereits einen Termin mitverschenken willst oder ob du es flexibel lassen möchtest. Flexibel hat den Nachteil, dass es oft aufgeschoben wird und manchmal sogar unter den Tisch fällt, was sehr schade ist. Mit einem festen Termin schaffst du Fakten. Es ist aber sicher nicht verkehrt, den Termin mit der beschenkten Person abzustimmen.
Einen kleinen Geheimtipp möchte ich an dieser Stelle noch loswerden. Und zwar gibt es eine App namens Lialo, mit der man tolle Smartphone-geführte Touren machen kann. Auf diese Weise kann man einen super Nachmittag mit seinen Lieben an der frischen Luft verbringen und lernt sogar noch etwas!
Was man immer gebrauchen kann
Nicht ohne Grund sind Duschgel, Wein und Pralinen DIE Klassiker unter den Geschenken. Essen, Trinken und Pflegeprodukte kann man eben immer gebrauchen. Umso besser, wenn sie in der DELUXE-Variante daher kommen, also hochwertiger sind, als man sie sich vielleicht normalerweise kaufen würde und noch besser natürlich, wenn man den Geschmack der beschenkten Person trifft.
In diese Kategorie fallen auch Geldgeschenke, denn Geld kann man auch immer gebrauchen, obwohl es ein eher unpersönliches Geschenk ist. Wenn sich jedoch beim Weihnachtsfest alle reihum nur Geld schenken, ist es widersinnig. Daher kommt es auf den Kontext an! Eher empfehlenswert für Hochzeiten und Jubiläen.
Getreu dem Motto “Zeit statt Zeug” kann man der beschenkten Person auch Hilfe bei bestimmten Dingen schenken, also zum Beispiel Babysitten, beim Ausmisten helfen, Sachen transportieren, etwas Korrektur lesen oder gemeinsam beim Flohmarkt verkaufen. Das hängt aber stark von den Bedürfnissen der Person ab und man sollte sich gut überlegen, ob es sich als Geschenk eignet oder ob man die betreffende Hilfe nicht auch so anbieten sollte.
Außerdem kann es auch schnell übergriffig wirken, wenn man sich zu stark in die Angelegenheiten anderer Leute einmischt. Da kann ein nett gemeintes Geschenk auch für großen Frust sorgen. Vielleicht ist die beschenkte Person aber eine, die Schwierigkeiten damit hat, um Hilfe zu bitten und dann kann man ihr die Sache so auf jeden Fall erleichtern.
Dennoch ist in der Kategorie “Was man immer gebrauchen kann” Fingerspitzengefühl gefragt, da man leicht daneben liegen, als oberflächlich oder schlimmstenfalls übergriffig wahrgenommen werden kann.
Was man sich selten gönnt
Dann vielleicht doch lieber etwas schenken, was sich die meisten Menschen nur selten gönnen? Um das einschätzen zu können, sollte man gut wissen, wie die Lebenssituation der zu beschenkenden Person aussieht und ob sie sich das wirklich nur selten gönnt oder ob das eine Projektion seiner eigenen Wünsche und Bedürfnisse ist.
Blumen, Massagen, Wellness und Schmuck fallen in diese Kategorie, aber auch Reisen und Luxusprodukte. Das muss man sich natürlich auch leisten können, man könnte es aber auch kleiner denken oder mit anderen Freunden zusammen legen. Gemeinsame Geschenke sind eh IMMER die besseren Geschenke!
Ich möchte hier auch Kunst und Kultur nicht unerwähnt lassen. Das ist auch viel besser für den Geldbeutel 😉 Frage dich: Womit könnte man die zu beschenkende Person inspirieren und erleuchten? Bücher, Poster, Kalender oder Gemälde können ein tolles Geschenk sein, wenn sie den Geschmack der Beschenkten treffen oder eine andere Perspektive bieten. Ein bisschen kontrovers darf es ruhig sein, das weckt die Neugierde.
Wünsche erfüllen
Am aller aller besten ist es aber, wenn man die Wünsche der beschenkten Person erfüllen oder sie bei der Erreichung ihrer Träume unterstützen kann. Dafür muss man aber über solche Themen sprechen und zwar nicht nur während der Vorweihnachtszeit, sondern immer!
Was wünschst du dir?
Und ich meine damit nicht, die eher nervige Frage “Was wünschst du dir?” – auf diese Frage habe ich zumindest nur selten eine Antwort.
Unhöflich ist die Frage vielleicht nicht, immerhin erkundigt man sich ja nach den Vorlieben der anderen Person, aber sie ist dennoch ziemlich gedankenlos, denn was man eigentlich meint, ist die Frage “Was soll ich dir schenken?” und damit macht man es sich doch ziemlich einfach.
Vielleicht sollte ich mal anfangen, die Frage ehrlich zu beantworten und einfach sagen, dass ich mir 41 Millionen Euro wünsche, aber damit wäre ja auch niemandem geholfen. Deswegen hier ein paar Tipps, wie man es besser machen kann.
Indirekte Fragen stellen
Ich finde, wir alle reden viel zu oft über Probleme und Wehwehchen und viel zu selten über unsere Wünsche und Träume. Ich finde es auch nicht immer einfach, das Gespräch in so eine Richtung zu lenken, aber es lohnt sich meistens. Indirekte Fragen können auf eine ungezwungene Weise aufschlussreiche Informationen liefern:
- Wenn du plötzlich einen Tag nur für dich hättest, was würdest du tun?
- Gibt es etwas, das du immer schon mal ausprobieren wolltest, aber nie die Gelegenheit dazu hattest?
- Gibt es etwas aus deiner Kindheit, das du vermisst?
- Was bringt dich im Alltag so richtig zum Strahlen?
- Welche Superkraft würdest du gerne besitzen?
- Wenn du 10.000 Euro geschenkt bekommen würdest, was würdest du damit machen?
- Wenn du einen Wunsch frei hättest, aber nur einen, was würdest du dir wünschen?
Aufmerksam sein & Aktiv Zuhören
Aber auch ohne Fragen zu stellen, kann man sehr viele Anregungen und Hinweise bekommen. Vielleicht gibt es Themen, die immer wiederkehren oder die Person erwähnt „Ich hätte gerne mehr Zeit für X“ oder „Ich bewundere Leute, die Y machen können“. Hobbys, Aktivitäten und Routinen geben Aufschluss darüber, wofür sich jemand interessiert. Auch auf Social Media kann man oft leicht sehen, welche Beiträge die Person besonders inspirierend und gut findet oder teilt.
Du könntest auch Vertraute der Person fragen, wofür sie sich begeistert oder was sie gern mag. Achte darauf, was sie sich selbst schenkt. Oder leite doch das Thema dadurch ein, dass du bei dir selbst anfängst und von deinen Träumen und Wünschen berichtest. Falls die Person sich dadurch partout nicht inspiriert fühlt, selbst das Wort zu ergreifen, kannst du auch nachhaken: “Wie ist das bei dir?”
Zusammenfassung
Ich habe beim Schreiben bemerkt, dass Schenken echt nicht unterschätzt werden sollte. Klar, wenn man aus dem Blauen heraus etwas verschenkt, freut sich wohl jeder darüber – egal, was es ist. Aber bei so ritualisierten Pflicht-Geschenken zu Weihnachten oder zum Geburtstag zeigt sich oft, wer sich wirklich Gedanken gemacht hat und wer nicht.
Manchen Menschen bedeuten diese Feiertage einfach nicht so viel und es fällt ihnen schwer, ein geeignetes Geschenk zu finden. Vielleicht ist auch nicht jeder Mensch so wichtig, dass man sich über ihn so viele Gedanken machen möchte. Ja, Großonkel Horst, wir sehen uns einmal im Jahr! Aber für die wirklich wichtigen Menschen lohnt es sich sehr, das Schenken ernst zu nehmen und die nötige Zeit in die Auswahl eines Geschenks zu investieren.
Jetzt Du!
Hast du schon mal ein richtig blödes Geschenk bekommen? Was würdest du anderen Schenkenden empfehlen? Und wie würdest du die Frage “Was wünschst du dir?” beantworten, wenn du ganz ehrlich wärst?

